Weiden und seine Industrie - Am Bahnhof stand die erste Fabrik

Die erste Fabrik in Weiden, deren Gründung im unmittelbaren Zusammenhang mit der Eisenbahn stand, war die Metallgießerei Friedrich Schauwecker, die 1868 den Betrieb aufnahm und sich später in "Maschinenfabrik" umbenannte.

Ungleich bedeutender aber sollte die Entscheidung von August Bauscher werden, seine Firma in unmittelbarer nähe des Weidener Bahnhofs anzusiedeln. Er hatte 1880 seine Teilhaberschaft an der Tirschenreuther Porzellanfabrik Muther und Tittl verkauft und sich dabei verpflichtet, ein eigenes Unternehmen nicht in einem Raum anzusiedeln, der im Süden genau bis zur Stadt Weiden reichte. Weiden erschien ihm aber wegen der Möglichkeit des direkten Gleisanschlusses und der Nähe von Rohmaterialien, wie Kaolin im Mantler Forst, sehr attraktiv. Daher erbaute er seine Fabrik in der Nachbargemeinde Moosbürg. Er begann 1881 mit einer Belegschaft von 70 Beschäftigten auf einer Arbeitsfläche von 2.000 m², 1900 betrug die Arbeitsfläche schon 16.000 m², die Zahl der Beschäftigten hatte sich auf 294 erhöht. Hotelporzellan der Firma Bauscher ging in alle Welt.

Im Jahr 1890 erhielten die Gebrüder Schulz die baupolizeiliche Genehmigung zur Errichtung einer Glasfabrik zur Herstellung von Fensterglas in Moosbürg, 1891 begann die Produktion, wobei an acht Hafen gearbeitet wurde. 1892 sind die Glasfabrikanten Eduard und Aloys Kupfer im Besitz der Glasfabrik Weiden, die sie 1893 erweitern. 1910 wurde die Spiegelglasfabrikation eingestellt und der bisherige Hafenofenbtrieb auf Wannenbetrieb umgestellt. Zum 1. Januar 1914 wurde die Gemeinde Moosbürg aufgelöst und zur Stadt Weiden eingemeindet, damit befanden sich Bauscher und die Glasfabrik nun innerhalb des Stadtgebietes.

Auch noch ein anderer junger, begabter Unternehmer erkannte die Vorteile des Standorts Weiden. Christian Wilhelm Seltmann hatte als Lehrling und Dreher in der Porzellanfabrik Lehmann in Arzberg, seiner Heimatstadt, begonnen, sich dann zum Modelleur weitergebildet und schon mit 26 Jahren wurde ihm die Betriebsleitung übertragen. Aber er war ehrgeizig und wollte mehr. Nachdem er zunächst mit seinem Bruder in Vohenstrauss gemeinsam die Porzellanfabrik Johann Seltmann gegründet hatte nahm er 1910 alleine die Produktion in Weiden, zunächst mit drei Porzellan-Rundöfen, auf. Drei Jahre später wurde diese auf fünf erweitert. Inzwischen war auch die Belegschaft auf 500 Personen angewachsen.

Das Lesen eines Polizeiberichts ließ Josef Witt aus Reuth bei Erbendorf den Weg beschreiten, der ihn nach Weiden und zu einem blühenden Versandhandel führte: zwei Betrüger hatten Päckchen mit Ziegelsteinen gegen Nachnahme versandt und sich so erhebliche Einkünfte verschafft. Witt dachte sich nun, dass dieses System auch für eine ehrliche Art der Zustellung genutzt werden könnte und bot als ersten Versandschlager ein Paket mit "100 nützlichen Sachen für eine Mark" an. Dazu gehörten ein Kopftuch, Baumwollbänder und Knöpfe aller Art. Besonders beliebt war auch das ungebleichte Baumwolltuch. Da der Bahnhof in Reuth die große Anzahl der Sendungen nicht mehr bewältigen konnte, verlegte Josef Witt sein Unternehmen 1913 nach Weiden.

Petra Vorsatz, Dipl. Archivarin (FH)
Leiterin d. Amts f. Kultur, Stadtgeschichte und Tourismus