Evangelisch-lutherische Stadtpfarrkirche St. Michael

Die frühe Baugeschichte nach den archäologischen Befunden
Die Untersuchungen aus dem Jahre 2005 ermöglichen erstmals abgesicherte Aussagen zu Baugeschichte, Konzeption und Datierung der zwei Vorgängerbauten unter dem heutigen Bau des 15. Jahrhunderts zu fassen.

Bau St. Micheal I
Ein Steinbau (Saalbau mit eingezogenem Rechteckchor) von mehr als 11 m Länge und unbekannter Breite. Auf Grund von verschiedenen Schnitten konnte festgestellt werden, dass der Chor gegenüber dem Saal um ca. 1,6 m eingezogen war, was für einen verhältnismäßig großen Bau spricht. Die Südwand des ersten Baues dürfte im Bereich des heutigen Mittelschiffes , die Westwand im Bereich des zweiten oder dritten Jochs zu suchen sein. Der Ostabschluss der Kirche bleibt unklar, doch darf man wohl von einem gerade geschlossenen Rechteckchor ausgehen. Eine Datierung lässt sich nur indirekt treffen. Der Nachfolgebau entstand etwa um 1300 und zur Zeit der Ersterwähnung von Weiden als oppidum 1241 mag bereits eine Kirche bestanden haben, ist es zulässig , Bau I in das 13. Jh. oder etwas früher zu datieren.

Bau St. Michael II
Im Hinblick auf die Dimensionen und Datierung lässt er sich sehr genau als der älteste Kirchenbau beschreiben. Die Abmessungen des Saalbaues mit eingezogenem Rechteckchor betragen mehr als 26 m, wahrscheinlich deutlich mehr als 30 m, und gut 15 m in der Breite. Die lichte Größe des Saals lag bei ca. 20 x 11,60 m. Der Chorraum maß ungefähr 9,50 x 6 - 8 m; dieser könnte ein massives Tonnengewölbe gehabt haben. Die Erbauungszeit von Kirche II lässt sich aufgrund der Keramikfunde, historischer und typologischer Anhaltspunkte (z.B. Mauertechnik) , der überlieferten Zerstörung der Kirche im Jahre 1396 und des Dendrodatums "nach 1263" recht genau in die Zeit um 1300 datieren. Damit steht der Bau II auf der Schwelle von der Romanik zur Gotik und war sicherlich ein bemerkenswertes Bauwerk in der Saalarchitektur Nordostbayerns. Der schriftlichen Überlieferung zufolge gab es in den Jahren 1351 und 1396 verheerende Brände, bei denen auch die Kirche (vor allem 1396, was den Abbruch zur Folge hatte) stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Auf Grund aufgefundener verkohlter Getreidekörner wird die Tragweite dieses Brandereignisses auch nach 600 Jahren noch heute nachvollziehbar, denn die gesamte Erntelagerung im Dachtragwerk wurde offenbar ein Raub der Flammen.

Bau St. Michael III
Kurz nach dem Brand von 1396 wurde ein Neubau in Angriff genommen. Bemerkenswert ist, dass man die ältere Kirche offenbar zu großen Teilen vollständig abbrach, das Areal planierte und dann erst mit dem Neubau begann. Die Fertigstellung war weitgehend im Jahre 1460. 1536 und 1540 wurde die Kirche abermals durch Feuer stark beschädigt und wieder hergestellt.

Durch archäologische Untersuchungen konnten wichtige Anhaltspunkte zu Baugeschichte und Alter der Michaelskirche in der Altstadt von Weiden gewonnen werden.

M. Rudnik

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Auszug aus der Denkmalliste:
Stadtpfarrkirche mit Ausstattung im Kern spätgotisch, im 18. Jh. barockisiert, Turm 1759 - 62 nach Entwurf von Georg Heinrich Dobmayer, Ölbergkapelle mit gefassten Holzfiguren, spätbarock, am Chor der Kirche